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Entwurf für die ertragsteuerrechtliche Behandlung von virtuellen Währungen ...


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vor 7 Minuten schrieb dxtr:

Aktuell ist es immer noch ein Entwurf und wenn dieser feststeht ist die Regelung eindeutig und jeder kann entscheiden, ob er Lending oder Staking betreiben möchte. Finde es aber gerade in Hinblick auf ETH 2.0 bzw. generell auf DeFi bezogen, dass dies in Deutschland dann sehr unattraktiv wird mit der Haltefristverlängerung auf 10 Jahre.

Da vor dem Entwurf nur spekuliert wurde und Staking immer mit Container-Vermietungen verglichen wurde, war aus meiner Sicht noch gar nichts klar. Rückwirkend ist das aus meiner Sicht nicht tragbar!

Der Entwurf macht jetzt eine "große Runde". Aber er ändert nichts. Schon vorher war es nicht anders und im EStG so geregelt: § 23 Abs. 1 Nr. 2 S. 4 EStG: "Bei Wirtschaftsgütern im Sinne von Satz 1, aus deren Nutzung als Einkunftsquelle zumindest in einem Kalenderjahr Einkünfte erzielt werden, erhöht sich der Zeitraum auf zehn Jahre"

Edited by Drayton
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vor 16 Minuten schrieb Drayton:

Der Entwurf macht jetzt eine "große Runde". Aber er ändert nichts. Schon vorher war es nicht anders und im EStG so geregelt: § 23 Abs. 1 Nr. 2 S. 4 EStG: "Bei Wirtschaftsgütern im Sinne von Satz 1, aus deren Nutzung als Einkunftsquelle zumindest in einem Kalenderjahr Einkünfte erzielt werden, erhöht sich der Zeitraum auf zehn Jahre"

Aber dem hatte z.B. Winheller immer argumentativ wiedersprochen und das bayrische Landesgericht hatte denen Recht gegeben:

https://www.winheller.com/bankrecht-finanzrecht/bitcointrading/bitcoinundsteuer/besteuerung-von-staking.html

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vor 35 Minuten schrieb dxtr:

Aber dem hatte z.B. Winheller immer argumentativ wiedersprochen und das bayrische Landesgericht hatte denen Recht gegeben:

https://www.winheller.com/bankrecht-finanzrecht/bitcointrading/bitcoinundsteuer/besteuerung-von-staking.html

Na ja, also das ist eine Sichtweise von Winheller. Und "bayrisches Landgericht"? Ne, nur eine Stellungnahme vom Landesamt: "Diese Einschätzung wird auch durch eine Stellungnahme des Bayerischen Landesamts für Steuern untermauert"

Wenn die das so gesehen haben, dann wundert es mich nicht, dass sich für die jetzt durch den Entwurf des BMF was ändert. Aber es ändert sich nur deren Sichtweise. Die Rechtslage ändert sich nicht. Die Regelung im EStG gab es vorher. Nur weil einer Steuerberater oder Anwalt ist, muss er nicht unbedingt recht haben. Sonst bräuchten wir ja keine Richter mehr... ;)

Und nur so als meine Empfindung, ob eine Quelle wirklich gut ist: Winheller schreibt: "Profitieren Sie von unserer langjähringen Erfahrung bei der Besteuerung von Kryptowährungen" Nicht nur weil die "langjährigen Erfahrungen" falsch geschrieben haben, sondern insbesondere nicht haben können! Das kann mir einer im Jahr 2025 schreiben. Aber heute schon langjährige Erfahrung? Noch Anfang des Jahres wussten nichtmal die FAs was Krypto ist. :D

Edited by Drayton
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vor 13 Stunden schrieb Drayton:

Winheller schreibt: "Profitieren Sie von unserer langjähringen Erfahrung bei der Besteuerung von Kryptowährungen" Nicht nur weil die "langjährigen Erfahrungen" falsch geschrieben haben, sondern insbesondere nicht haben können! :D

Du hast ihren Clou endeckt.

Rechtlich kannst du ihnen nicht an, weil es den Begriff 'langjähringen' nicht gibt ;)

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vor 8 Stunden schrieb QQQ:

Du hast ihren Clou endeckt.

Rechtlich kannst du ihnen nicht an, weil es den Begriff 'langjähringen' nicht gibt ;)

:D

Aber bitte nicht falsch verstehen: Winheller bietet auf ihrer Seite viele gute steuerrechtliche Infos. Übersichtlich aufgebaut, strukturiert. Ich finde es auch sehr sehr gut, dass die für ihre Auffassung argumentieren. Und deren Argumente finde ich auch richtig. Und Winheller gehört auch zu den Akteuren, die langfristig Veränderungen bewirken können. Nur regelt das EStG es heute leider anders und der BMF-Entwurf bestätigt das. Kurz: Gute Kanzlei, aber man darf nie einer Auffassung einer einzelnen Kanzlei folgen, wenn es ums Recht geht.

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Am 21.7.2021 um 09:31 schrieb Jokin:

Dort gilt: Nach der 2-jährigen Eigennutzung kann man machen was man will -> was einmal steuerfrei geworden ist, bleibt steuerfrei (Quelle: https://immoeinfach.de/immobilie-verkaufen/nebenkosten/spekulationssteuer/).

Jetzt war ich aber mal auf deine Quelle gespannt, aber leider kann ich diese Deutung darin nicht erkennen. Ich denke, es ist gefährlich bei den Kryptos mit der Regelung bei Immobilien zu argumentieren, weil es dort eben dann doch ein wenig anders geregelt ist:

- die allgemeine Spekulationsfrist bei Immobilien sind 10 Jahre, danach ist ein Verkauf steuerfrei, egal wie die Nutzung war.

- wenn man die Immobilie in den letzten drei Jahren vor Verkauf selbst genutzt hat, ist ein Verkauf ebenfalls steuerfrei.

Zitat aus deiner Quelle: "Die Spekulationssteuer fällt nur dann nicht an, wenn Sie seit dem Kauf und der Fertigstellung ununterbrochen selbst oder zumindest im Jahr des Verkaufs und den beiden Vorjahren in der Immobilie gewohnt haben. "

Beim genauen Zeitraum bei Eigennutzung bin ich mir jetzt unsicher, ich dachte immer, es seien genau drei Jahre, aber die Formulierung oben würde ja bedeuten, wenn ich eine Wohnung am 31.12.2019 gekauft habe, sofort eingezogen bin, das ganze Jahr 2020 dort gewohnt habe, dass ich dann am 1.1.2021 ausziehen und die Wohnung steuerfrei verkaufen könnte. Der Zeitraum wäre dann also lediglich ein Jahr und zwei Tage. Halte ich allerdings für sehr gewagt...

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vor 4 Minuten schrieb MKE:

Jetzt war ich aber mal auf deine Quelle gespannt, aber leider kann ich diese Deutung darin nicht erkennen. Ich denke, es ist gefährlich bei den Kryptos mit der Regelung bei Immobilien zu argumentieren, weil es dort eben dann doch ein wenig anders geregelt ist:

- die allgemeine Spekulationsfrist bei Immobilien sind 10 Jahre, danach ist ein Verkauf steuerfrei, egal wie die Nutzung war.

- wenn man die Immobilie in den letzten drei Jahren vor Verkauf selbst genutzt hat, ist ein Verkauf ebenfalls steuerfrei.

Zitat aus deiner Quelle: "Die Spekulationssteuer fällt nur dann nicht an, wenn Sie seit dem Kauf und der Fertigstellung ununterbrochen selbst oder zumindest im Jahr des Verkaufs und den beiden Vorjahren in der Immobilie gewohnt haben. "

Beim genauen Zeitraum bei Eigennutzung bin ich mir jetzt unsicher, ich dachte immer, es seien genau drei Jahre, aber die Formulierung oben würde ja bedeuten, wenn ich eine Wohnung am 31.12.2019 gekauft habe, sofort eingezogen bin, das ganze Jahr 2020 dort gewohnt habe, dass ich dann am 1.1.2021 ausziehen und die Wohnung steuerfrei verkaufen könnte. Der Zeitraum wäre dann also lediglich ein Jahr und zwei Tage. Halte ich allerdings für sehr gewagt...

du interpretierst richtig.

Ist das Ergebnis schlampiger Arbeit. 

Wieder mal nicht zu Ende gedacht.

 

Ein ähnliches Meisterstück gibt es derzeit scheinbar auch bei der Förderung E-Mobilität

Edited by bjew
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Meine eigene Interpretation des neuen Entwurfs zur Besteuerung von Kryptowährungsgewinnen ist folgende:

Wichtig bei Staking, Lending, Mining etc. ist vor allem folgender Satz aus der Ziffer 47 des Entwurfs:

"Die Veräußerungsfrist verlängert sich nach § 23 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 Satz 4 EStG auf zehn Jahre, wenn Einheiten einer virtuellen Währung oder Token als Einkunftsquelle genutzt werden und zumindest in einem Kalenderjahr hieraus Einkünfte erzielt worden sind. "

Was genau steht denn in § 23 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 Satz 4 EStG ?

"Bei Wirtschaftsgütern im Sinne von Satz 1, aus deren Nutzung als Einkunftsquelle zumindest in einem Kalenderjahr Einkünfte erzielt werden, erhöht sich der Zeitraum auf zehn Jahre"

Ok, dann müssen wir jetzt schauen, was "im Sinne von Satz 1" bedeutet. In Satz 1 steht:

"[Private Veräußerungsgeschäfte (§ 22 Nummer 2) sind] Veräußerungsgeschäfte bei anderen Wirtschaftsgütern, bei denen der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als ein Jahr beträgt." Der Text in eckigen Klammern steht übergeordnet vor den einzelnen Nummern.

Also in kurz: Wirtschaftsgüter im Sinne von Satz 1 sind 'andere Wirtschaftsgüter', also explizit keine Grundstücke und Rechte wie in der Nummer 1 vorher aufgelistet und nur, wenn diese innerhalb eines Jahres wieder verkauft werden.

Also steht in Satz 4 tatsächlich:

Bei anderen Wirtschaftsgütern, die innerhalb eines Jahres wieder verkauft werden und mit denen Einkünfte erzielt wurden, erhöht sich die Frist bis zur Steuerfreiheit von einem auf zehn Jahre. Ein wunderschönes Oxymoron. Und der neue Enwurf besagt, dass Kryptowährungen diesbezüglich wie 'andere Wirtschaftsgüter' zu behandeln seien.

Also entweder ist meine Interpretation falsch oder die haben alle einen an der Waffel. Ich hoffe auf letzteres.

Aber im Prinzip müsste es doch bei der Rechtssprechung schon entsprechende Fälle geben. Andere Wirtschaftsgüter, die ein Jahr gehalten wurden, dann also steuerfrei verkäuflich waren und mit denen im Anschluss Einkünfte erzielt wurden. Also beispielsweise ein Kunstwerk, das der Käufer erst mal zwei Jahre bei sich in der Wohnung aufhängt und es danach an ein Museum gibt, die ihm dafür monatlich etwas zahlen. Und nach fünf Jahren kauft das Museum das Kunstwerk. Ich denke, dass das steuerfrei sein müsste, weil die Spekulationsfrist bereits abgelaufen war. Auch rein sprachlich müsste das so sein: 'Verlängern' kann sich nur etwas noch bestehendes. Etwas, das bereits abgeschlossen ist, kann nur 'wiederaufleben'. Und ich denke, dass die Juristen bei den Gesetzestexten echte Wortklauber sind und so was nicht zufällig so schreiben. 

 

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vor 6 Stunden schrieb MKE:

Meine eigene Interpretation des neuen Entwurfs zur Besteuerung von Kryptowährungsgewinnen ist folgende:

Wichtig bei Staking, Lending, Mining etc. ist vor allem folgender Satz aus der Ziffer 47 des Entwurfs:

"Die Veräußerungsfrist verlängert sich nach § 23 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 Satz 4 EStG auf zehn Jahre, wenn Einheiten einer virtuellen Währung oder Token als Einkunftsquelle genutzt werden und zumindest in einem Kalenderjahr hieraus Einkünfte erzielt worden sind. "

Was genau steht denn in § 23 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 Satz 4 EStG ?

"Bei Wirtschaftsgütern im Sinne von Satz 1, aus deren Nutzung als Einkunftsquelle zumindest in einem Kalenderjahr Einkünfte erzielt werden, erhöht sich der Zeitraum auf zehn Jahre"

Ok, dann müssen wir jetzt schauen, was "im Sinne von Satz 1" bedeutet. In Satz 1 steht:

"[Private Veräußerungsgeschäfte (§ 22 Nummer 2) sind] Veräußerungsgeschäfte bei anderen Wirtschaftsgütern, bei denen der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als ein Jahr beträgt." Der Text in eckigen Klammern steht übergeordnet vor den einzelnen Nummern.

Also in kurz: Wirtschaftsgüter im Sinne von Satz 1 sind 'andere Wirtschaftsgüter', also explizit keine Grundstücke und Rechte wie in der Nummer 1 vorher aufgelistet und nur, wenn diese innerhalb eines Jahres wieder verkauft werden.

Also steht in Satz 4 tatsächlich:

Bei anderen Wirtschaftsgütern, die innerhalb eines Jahres wieder verkauft werden und mit denen Einkünfte erzielt wurden, erhöht sich die Frist bis zur Steuerfreiheit von einem auf zehn Jahre. Ein wunderschönes Oxymoron. Und der neue Enwurf besagt, dass Kryptowährungen diesbezüglich wie 'andere Wirtschaftsgüter' zu behandeln seien.

Also entweder ist meine Interpretation falsch oder die haben alle einen an der Waffel. Ich hoffe auf letzteres.

Aber im Prinzip müsste es doch bei der Rechtssprechung schon entsprechende Fälle geben. Andere Wirtschaftsgüter, die ein Jahr gehalten wurden, dann also steuerfrei verkäuflich waren und mit denen im Anschluss Einkünfte erzielt wurden. Also beispielsweise ein Kunstwerk, das der Käufer erst mal zwei Jahre bei sich in der Wohnung aufhängt und es danach an ein Museum gibt, die ihm dafür monatlich etwas zahlen. Und nach fünf Jahren kauft das Museum das Kunstwerk. Ich denke, dass das steuerfrei sein müsste, weil die Spekulationsfrist bereits abgelaufen war. Auch rein sprachlich müsste das so sein: 'Verlängern' kann sich nur etwas noch bestehendes. Etwas, das bereits abgeschlossen ist, kann nur 'wiederaufleben'. Und ich denke, dass die Juristen bei den Gesetzestexten echte Wortklauber sind und so was nicht zufällig so schreiben. 

 

Oldtimer wären ggf auch ein Beispiel wo es schon was geben könnte. Kaufen, ein Jahr nix mit machen, dann vermieten. 

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